Ansturm auf die Oper in der U-Bahn-Baustelle

Die Spannung war groß unter den vielen Besuchern, die sich schon einige Zeit vor dem offiziellen Einlass vor der frisch betonierten Treppe in den Untergrund drängten. Die wenigsten wussten, was sie zu erwarten hatten, wenn sie jetzt zum ersten Mal den neuen U-Bahnhof „Moosacher Bahnhof“ betreten würden.

Als sich dann um 19:00 Uhr die Menge in das Sperrengeschoss ergoss, war innerhalb von fünf Minuten jeder Tisch besetzt. Mit Windlichtern auf den Biertischen und einem lodernden Kaminfeuer auf der Leinwand hatte der Veranstalter, „Die Linie 1“ Kulturverein München – Moosach e.V., eine fast heimelige Atmosphäre geschaffen. Unterstützt wurde das ganze noch durch die blaugelben Lichtfinger der Scheinwerfer, die insbesondere die beeindruckende Betondecke zur Geltung brachten. Der Vorsitzende der „Linie 1“, Günther Frohnauer, begrüßte die Gäste und dankte dem Baureferat der Landeshauptstadt München für das großzügige Entgegenkommen bei der Planung und Durchführung dieser Veranstaltung. Nur dadurch war es möglich, vier Stunden nach dem offiziellen Richtfest, auch der Bevölkerung die Gelegenheit zu geben, den neuen Bahnhof zu bestaunen.

Frohnauer hob jedoch hervor, dass es nur dem Einsatz von Norbert Kästle zu verdanken war, dass die Idee für dieses Ereignis umgesetzt werden konnte. Norbert Kästle, vielen bekannt als Projektleiter der „Linie 1“ für„Moosach macht Oper“, nützte die Chance, auch gleich auf das nächste Opernprojekt, nämlich die Aufführung von „Hänselund Gretel“ im November dieses Jahres hinzuweisen. Zumindest einige Besucher erfasste ein andächtiges Schaudern als Kästle zu bedenken gab, dass man diese Halle - für einen Tag „Moosacher Opernhaus“ - wohl nie mehr in diesem Zustand sehen würde.

Mit einer modernen Tanz-Performance überbrückten die Tänzerinnen und Tänzer des Tanzstudios „BewegGrund“ die Zeit bis zum Beginn der Opernaufführung. Leider war es nicht möglich gewesen, der Tanzgruppe eine Bühne zur Verfügung zu stellen. So sahen wohl viele Besucher nur die Köpfe der Tänzer.

Was sich schon beim Werbetrailer der „Line 1“ andeutete, bestätigte sich auch bei „Fidelio“: Der Tontechniker des Kulturreferats hatte gute Arbeit geleistet. Gezeigt wurde, mit freundlicher Unterstützung von Arthaus-Musik, eine Einspielung aus dem Royal Opera House „Covent Garden“ in London aus dem Jahr 1991. Faszinierend war bei diesen Aufnahmen die Ähnlichkeit des Bühnenbildes mit der Architektur des Sperrengeschosses. In manchen Einstellungen hatte der Betrachter das Gefühl, das Bühnenbild würde sich in die Lichtschächte der Deckenkonstruktion hinein fortsetzen. Die fast 600 Opernbesucher waren durchwegs begeistert. Sie spendeten Zwischenapplaus und schlossen sich mit mächtigem Beifall dem Schlussapplaus der Videoaufnahme an.